Pferd in BoxLiebe Jungs,

puuuh, was eine Aufregung, was ein Einstand. Leider kommt es manchmal anders als man denkt.

Der Einzug der Stute endete mit einem notärztlichen Pferde-Tierarzt-Einsatz. Am Ende war es aber Glück im Unglück.
Alles lief gut. Das Verladen der Stute – keine Minute, das Ausladen – auch easy, der Weg zur Weide – super, erste Kontaktaufnahme – ganz prima. So prima, dass wir alle gemeinsam entschieden haben, die Stute direkt zum Rest der Herde zu lassen. Wir hatten sogar noch ein neues Stück Wiese mit frischem Gras geöffnet, damit die Herde erstmal auch mit Futtern beschäftigt ist.
Bis hierhin alles gut, alles richtig. Dann kam Piroschka dazu. In fliegendem Galopp zur Herde „Hallo, hier bin ich. Lasst uns spielen.“. Auch da waren die anderen interessiert, aber bedrängten sie keinesfalls. Das womit ich nicht gerechnet hatte – und auch sonst niemand – dass das Stübchen nochmal reingeht in den Pulk und durch Buckeln zum Spielen auffordert. Kein Pferd aus der Herde hat es ihr gleich getan. Sie war nicht in die Ecke gedrängt oder sonst irgendwas aber dann kam sie auf drei Beinen rausgesprungen, das Blute spritzte aus der Wunde. Das weisse Bein war im Nu rot von Blut. Alle Pferde haben sie in Ruhe gelassen. Sie liess sich sofort am Strick von der Weide zurück zum Stall führen. Und das Blut schoss immer noch.

 

Was tut man in so einer Situation?

Wir sind zurück zum Stall. Laufen konnte sie ja noch und ich habe mich damit beruhigt, dass ein Pferd mehr Blut hat als wir denken. Das schon alles wird.

Am Stall angekommen haben wir einen Druckverband angelegt. Auch hier ein richtiges Glück, dass wir alles da hatten, wussten wie es geht und die Stute völlig ruhig alles mit sich machen liess. Und nein, das ist nicht selbstverständlich – weder, dass man weiss wie ein solcher Verband angebracht wird, noch dass ein fremdes Pferd sich am Hinterbein ohne zu zucken behandeln lässt. Das war das Glück im Unglück. Das nächste Glück war, dass die Tierärztin sehr schnell vor Ort war. Auch das macht mich sehr dankbar. Die Wunde konnte fachmännisch versorgt werden – angefangen beim Säubern, Haut entfernen, mehrfachem Nähen der Verletzung. Piroschka hat es irgendwie geschafft sich unterhalb des Sprunggelenks eine ca. 7 cm lange Wunde zuzufügen, die bis auf die Hauptschlagader ging. Daher auch das spritzende Blut. Wir hoffen, dass nicht die darunterliegenden Schichten, wie z.B. die Sehne verletzt wurden. Aber eine Untersuchung hätte an der Stelle nur Risiko für die verletzte Arterie bedeutet und keinen weiteren Nutzen ausser dem Wissen darum gebracht. Ich hoffe nun einfach, dass es gut gegangen ist. Die Arterie ist punktuell verletzt, alles andere werden wir sehen. In 10 Tagen wissen wir mehr.

Zwei Dinge habe ich daraus gelernt, nein, eigentlich drei:

  • Erstens – egal wie vorsichtig und umsichtig man plant – bei Pferden besteht, genau wie bei uns, immer die Möglichkeit sich zu verletzten. Eine gute Grundausstattung sollte also in jedem Stall sein und einfach zugänglich für jeden, der mit Pferden zu tun hat.
  • Zweitens – ein Erste-Hilfe-Kurs. Bitte lasst euch zeigen, wie man ein Pferd versorgt bei einem Unfall. Ich werde hier bald mehr berichten. In einem früheren Leben habe ich eine Anleitung für solche Fälle entwickelt. Die liegt mir hier zwar noch ausgedruckt vor – aber leider nicht mehr in Datenform. Ich werde das Ereignis aber zum Anlass nehmen, die Daten nochmal zu erstellen. Vielleicht kann es auch anderen helfen. Ansonsten – viele Grosstierärzte bieten Kurse an, Bücher gibt es sowieso. Man sollte aber aus meiner Sicht mal einen Verband angelegt haben. So einfach ist das nämlich nicht, wie es in der Theorie aussieht. Und – bandagieren können ist eine Grundvorraussetzung!
  • Drittens – eine persönliche Bitte. Die Grosstierärzte haben oft 7 Tage die Woche Einsätze, leider oft am Wochenende oder nachts. Deshalb die Bitte – ruft keinen Grosstierarzt am Wochenende an, wenn Euer Pferd nichts dringendes (lebensbedrohliches) hat oder wenn der Hund Schnupfen hat oder das Meerschwein unfit erscheint. Dafür gibt es Tierkliniken, die am Wochenende auf haben, wenn der Kleintierarzt zu hat. Der Grosstierarzt hat so schon immer sehr sehr sehr viel um die Ohren und sollte auch am Wochenende ein wenig frei haben. Die Einsätze eines Grosstierarztes kann man nicht vergleichen mit bekannten anderen Tierärzten.

So, jetzt heisst es abwarten, Wunde versorgen, Nähe zum Pferd aufbauen. Letzteres ist jetzt besonders wichtig und auch einfach. Die Maus hat absolute Boxenruhe. Geht nicht anders. Also dann – auf in den Stall.